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Inhalte
Einleitung | Normalisierung als Etablierung einer Sprache | Normalisierung als Vorbereitung von Texten für die maschinelle Übersetzung | Normalisierung als Übersetzungsstrategie | Normalisierung als Übersetzungsstrategie | Normalisierung als Frequenzeffekt | Forschungspotenzial

 

Introducción  Einleitung

Der Begriff Normalisierung wird in der Translationswissenschaft zur Beschreibung verschiedener Konzepte verwendet, die entweder die Standardisierung von Sprache betreffen, wobei Übersetzungen eine entscheidende Rolle spielen, oder die Standardisierung von Übersetzungen selbst, entsprechend den Normen der Zielsprache. Normalisierung kann daher folgende Konzepte beschreiben:

  • Die Etablierung einer Sprache als Alltagssprache
  • Die Vorbereitung von Texten für die maschinelle Übersetzung
  • Die Normierung von Texten
  • Eine Übersetzungsstrategie
  • Ein sprachlicher Frequenzeffekt in Translationskorpora

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[título del epígrafe] Normalisierung als Etablierung einer Sprache

Der Begriff Normalisierung beschreibt unter anderem die Etablierung einer Sprache als Hochsprache. Mehrere historische Beispiele weisen darauf hin, dass Übersetzungen oft eine entscheidende Rolle in diesem Prozess spielten. Dies betrifft auf der einen Seite einflussreiche Herrscher*innen und Denker*innen, die sich zu ihrer Lebzeit für die Übersetzung von Texten in einen wenig gebrauchten Dialekt einsetzten oder diese selbst übersetzten. Auf Grund ihres großen Einflusses fanden die Übersetzungen große Zustimmung und wurden von einer großen Anzahl von Menschen verwendet. Dies führte dazu, dass sich die auf bestimmte Lebensbereiche beschränkten Dialekte zu Hochsprachen entwickelten, die in vielen Bereichen – vor allem jedoch in der Literatur – Verwendung fanden. Zu diesen einflussreichen Übersetzer*innen bzw. Auftraggeber*innen gehören unter anderem Alfred der Große von Wessex (Robinson 1997; Smyth 1995), Alfons X. der Weise (Kabatek 2008; Schieben 2008) und Martin Luther (Haile 1980). Auf der anderen Seite haben auch Übersetzungen wenig bekannter Übersetzer*innen und Auftraggeber*innen, die über einen langen Zeitraum angefertigt wurden, zur Normalisierung von Sprache beigetragen. Durch solche Übersetzungen wurde zum Beispiel das Vokabular der Zielsprache bereichert und der Bedarf an literarischen Texten, der nicht allein durch Originalwerke gedeckt werden konnte, befriedigt. Beispiele hierfür sind unter anderem die Wiedereinführung des Neuhebräischen (Branchadell 2003; Toury 2002) und die Etablierung des Galicischen (Milán-Varela 1999, 2000) als Alltagssprache.

Alfred der Große von Wessex

Alfred the Great
Alfred der Große. Quelle: Wikimedia.

Alfred der Große (849-899), der im Jahr 871 zum König von Wessex gekrönt wurde, ist vor allem für seine erfolgreichen Schlachten gegen die Dänen bekannt, in denen er deren vollständige Eroberung Englands verhinderte. Alfred setzte sich jedoch auch in großem Maße für Wissen und Bildung in seinem Königreich ein. Er war davon überzeugt, dass der Rückgang von Bildung und Wissen der Engländer die Ursache für die Raubzüge der Wikinger war. Aus diesem Grund bestand er darauf, dass alle wohlhabenden jungen englischen Männer Lesen und Schreiben lernen sollten. Zudem lernte Alfred der Große selbst Latein und übersetzte mehrere antike Texte ins Altenglische. Zu diesen Übersetzungen zählen das Werk Trost der Philosophie von Boethius und die Selbstgespräche von Augustinus von Hippo. Alfreds Bildungspolitik und vor allem auch seine Übersetzungen spielten eine entscheidende Rolle in der Standardisierung und Etablierung des Altenglischen (Robinson 1997; Smyth 1995).

Alfons X der Weise

Der kastilische König Alfons X. der Weise, der von 1252 bis 1284 das heutige Spanien regierte, war bereits zu Lebzeiten für seine Intelligenz und Weisheit berühmt. Dies verdankte er unter anderem seinem Bestreben, Bildung und Wissen an seinem Hof zu fördern. Dies betraf die verschiedensten Bereiche, unter anderem Geschichte, Naturwissenschaften, Recht und Literatur. Bei diesem Bestreben spielten auch Übersetzungen eine entscheidende Rolle. Bis Alfons den Thron bestieg, lagen kastilische Gesetzestexte zum Beispiel hauptsächlich auf Latein vor. Alfons X. veranlasste die Übersetzung der Rechtstexte ins Kastilische, was einen entscheidenden Schritt in der Etablierung des Kastilischen als Hochsprache darstellte. Im weiteren Verlauf entwickelte sich das Kastilische dann zum modernen Spanisch. Unter Alfons X. wurden nicht nur lateinische Rechtstexte übersetzt, in der Übersetzerschule von Toledo wurden auch arabische Texte, vor allem aus dem Bereich der Naturwissenschaften, ins Kastilische übersetzt – und oft weiter vom Kastilischen ins Lateinische. Auch diese Übersetzungen spielten eine entscheidende Rolle bei der Standardisierung des Kastilischen (Kabatek 2008; Schieben 2008).

Martin Luther

Martin Luther
Martin Luther. Wikimedia.

Der Kirchenreformer Martin Luther, der 1483 in Eisleben geboren wurde und im Jahre 1546 starb, brachte nicht nur die Reformation der Kirche durch den Anschlag seiner 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg ins Rollen. Er spielte auch eine große Rolle bei der Etablierung (engl. Normalization) der deutschen Sprache. Martin Luther fertigte eine bis dahin ungewöhnliche Art der Übersetzung der Bibel an. Diese entsprach, im Gegensatz zu früheren Übersetzungen, eher einem literarischen Text. Martin Luthers Fassung der Bibel fand bald Einzug in viele deutsche Haushalte und wurde dort täglich gelesen. Dies führte dazu, dass Luthers Dialekt des Deutschen bald die Norm des Deutschen bestimmte und zur modernen Hochsprache wurde (Haile 1980).

Neuhebräisch

Der Begriff Normalisierung wird auch verwendet, um die Wiedereinführung einer Sprache als Alltagssprache zu bezeichnen. Dies betrifft zum Beispiel das Neuhebräisch. Neuhebräisch wurde jahrhundertelang fast nur noch als Sprache für die Torah und im religiösen Bereich verwendet, jedoch nicht im Alltag der Menschen. Mit den nationalen jüdischen Bewegungen am Ende des 19. Jahrhunderts und der darauffolgenden Gründung des Staates Israel änderte sich dies jedoch. Hebräisch wurde wieder eine Sprache, die in allen Lebensbereichen Verwendung fand. Diese Wiedereinführung fand vor allem durch die Schulen statt. Aber auch Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen ins Hebräische halfen bei diesem Prozess. So führten sie unter anderem dazu, den Wortschatz des Hebräischen mit Hilfe von Lehnwörtern zu erweitern und die Sprache so auf die Bedürfnisse der Zeit anzupassen (Branchadell 2003; Toury 2002).

Even the uninitiated forerunners of the Haskalah in the second half of the 18th century could see that there was virtually no chance of catching up with the ‘civilized’ world without a major investment in translation. Translating was not only an obvious way of producing texts quickly and in quantity, which is one important way of demonstrating the potentials of a new cultural paradigm, even its very existence. It was also a convenient means of experimenting with issues that were thought worthy of treatment in Hebrew by virtue of their association with an established culture of high prestige.

(Toury 2002: XX)

Galicisch

Das Galicische spielte mehrere Jahrhunderte lang, vor allem aber während des Franco-Regimes, nur eine untergeordnete Rolle. Es wurde nur noch als Umgangssprache verwendet. Dies änderte sich jedoch, als Galicien im Jahr 1983 zur Autonomen Region (Comunidade Autónoma) Spaniens erklärt wurde. Neben Spanisch war nun auch Galicisch eine offizielle Sprache der Region. Einige Jahre später wurde die Wiedereinführung des Galicischen auch in einem Gesetzestext (Lei de Normalización Lingüística), der sowohl von den Galicischen Behörden als auch von der spanischen Regierung verabschiedet wurde, festgehalten. Dieses Gesetz schreibt die Förderung der Verwendung des Galicischen in allen Lebensbereichen vor. Um dies zu erreichen, soll das Galicische unter anderem von den galicischen Behörden verwendet werden. Zudem wurde das Galicische als Schulfach eingeführt und galicische Radio- und Fernsehsender wurden gegründet. Ein weiterer wichtiger Pfeiler bei der Einführung des Galicischen war die Förderung von Übersetzungen ins Galicische: Man benötigte galicische Literatur und dieser Bedarf wurde zunächst mit Übersetzungen gedeckt. Die Behörden erhofften sich einen großen Einfluss dieser Übersetzungen auf die Einführung des Galicischen, die Erwartungen wurden jedoch nur zum Teil erfüllt. Kinderliteratur wurde großflächig in Schulen eingesetzt und war daher recht erfolgreich. Übersetzungen für Erwachsene wurden jedoch kaum rezipiert, da die galicischen Leser*innen Bücher auf Spanisch bevorzugten, die sie bereits ihr ganzes Leben lang gelesen hatten und die sie ohne Probleme verstehen konnten (Millán-Varela 1999, 2000). Paradoxerweise erlebte die galicische Literatur eine Blüte zur Zeit Alfons X. des Weisen, der eigentlich als entscheidende Figur in der Normalisierung des Spanischen bekannt ist. Er selbst bevorzugte jedoch das Galicische für seine Niederschrift der Lieder für die heilige Maria.

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[título del epígrafe] Normalisierung als Vorbereitung von Texten für die maschinelle Übersetzung

Der Begriff Normalisierung wird auch verwendet, um die Vorverarbeitung von Sprache für die statistische maschinelle Übersetzung zu beschreiben. Diese Vorverarbeitungsschritte sind notwendig, wenn die zu übersetzenden Texte sprachliche Besonderheiten enthalten und diese Besonderheiten zu Problemen für die Maschine werden könnten. Solche Merkmale sind oft textsortengebunden (z. B. SMS, Aw, Min, Pohkhim et al. 2005). Diese Texte enthalten dann oft Merkmale, die für die geschriebene Sprache, die als Ausgangspunkt für die maschinelle Übersetzung genommen wird, untypisch sind. Dazu zählen zum Beispiel ungrammatische Strukturen, Ellipsen und unübliche Abkürzungen. Diese Merkmale können aber auch eine gewisse Variation der Sprache als Ursprung haben, wenn es zum Beispiel mehrere Möglichkeiten der Orthographie gibt (Jaber, Tonelli, Delmonte 2011). Um diese Hürden zu umgehen, kann die Sprache der Ausgangstexte zunächst korrigiert und normalisiert werden, indem zum Beispiel die Rechtschreibung vereinheitlicht wird und grammatische Strukturen verbessert werden. Im Anschluss daran kann der Text dann wie gewohnt mit dem maschinellen Übersetzungssystem verarbeitet werden, ohne dass das zugrundeliegende statistische Sprachmodell angepasst werden muss (siehe auch Lembersky, Ordan, Wintner 2011).

Jaber, Tonelli and Delmonte (2011: 71) schreiben dazu:

Normalization is a common issue to many languages in the world such as Arabic, Chinese and Japanese, which share the same problem of orthographic variation. Normalization is necessary to allow word forms to be checked against a lexicon where standardized orthography has been used.

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[título del epígrafe] Normalisierung als Normierung von Texten

Der Begriff Normalisierung bezeichnet auch die Normierung von Texten in bestimmten Fachgebieten. Um die Fachkommunikation in diesen Gebieten effizienter zu gestalten, müssen Fachsprachen bestimmte Kriterien erfüllen. Die dafür festgelegten Normen betreffen unter anderem die Terminologie, aber auch andere sprachliche und formale Aspekte von Texten. Die Normen werden dabei sowohl von Firmen als auch von internationalen (ISO und CEN) und nationalen Organisationen (DIN für Deutschland, AENOR für Spanien) festgesetzt. Auch Übersetzer*innen sind von dieser Normierung betroffen, wenn Sie entsprechende Texte, die dieser Normierung unterliegen, übersetzen. Übersetzer*innen müssen ihre Übersetzungen in diesen Fällen den Vorgaben entsprechend anpassen und dementsprechend z. B. auf spezifische Terminologie zurückgreifen. Die Normierung bestimmter Textsorten hat mehrere Vorteile: Sie erhöht die Zuverlässigkeit von Übersetzungen, führt zu einer vereinheitlichten Terminologie, zu einem effizienteren Übersetzungsprozess und schließlich auch zu einer höheren Qualität der Übersetzungen (Gómez & Pinto 2002).

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[título del epígrafe] Normalisierung als Übersetzungsstrategie

Als Normalisierung wird auch eine Übersetzungsstrategie bezeichnet, bei der Übersetzer*innen versuchen, die Sprache ihrer Übersetzungen an die Normen und die Kultur der Zielsprache anzupassen (e.g., Ramos 2009; Mazur & Chmiel 2016; siehe hierzu auch das Unterkapitel zu Normalisierung als Frequenzeffekt, das einen ähnlichen Ansatz beschreibt, sich dabei aber auf die übersetzte Sprache und nicht auf Übersetzer*innen konzentriert).

Auch wenn diese Übersetzungsstrategie nicht immer als Normalisierung bezeichnet wird, so wird sie doch schon lange auf theoretischer Ebene in der Translationswissenschaft beschrieben und diskutiert (e.g., Schleiermacher 1813; Toury 1980; Newmark 1988; Venuti 1992).

Friedrich Schleiermacher
Friedrich Schleiermacher. Source: Wikimedia.

Schleiermacher (1813; siehe auch Bellos 2013 für die Bezeichnung von Schleiermachers zweiter Methode als Normalisierung) beschreibt zum Beispiel in seinem Aufsatz Über die verschiedenen Methoden des Übersetzens, dass es nur zwei mögliche Methoden gibt, einen Text zu übersetzen. Entweder versuchen Übersetzer*innen ihre Leser*innen zum Autor/zur Autorin zu bringen und verfremdet dadurch die Sprache ihrer Übersetzung, oder sie bringen die Kultur des Autors/der Autorin zu den Leser*innen, indem sie die Sprache der Übersetzung an die Normen und die Kultur der Zielsprache anpassen. In seinem Aufsatz spricht sich Schleiermacher klar für die erstere Methode aus. Er argumentiert, dass eine Sprache nur wachsen und sich weiterentwickeln kann, wenn sie anderen Kulturen ausgesetzt ist und von ihnen lernen kann.

Toury (1980) benutzte als einer der ersten den Begriff der Norm in Bezug auf Übersetzungen und in Hinblick auf die Tendenz der Übersetzer*innen, Übersetzungen an die Zielsprache und -kultur anzupassen. Er merkt an, dass Übersetzer*innen oft sehr konventionelle Ausdrücke und Formulierungen in ihren Übersetzungen verwenden, statt sprachlichen Formulierungen, die näher an der Ausgangssprache sind. Toury gibt als möglichen Grund für diese Übersetzungsstrategie an, dass Übersetzer*innen eventuell befürchten, nicht oder falsch verstanden zu werden.

Mazur & Chmiel (2016) benutzen den Begriff der Normalisierung, um sich auf ein theoretisches Konzept der Übersetzungsstrategie von Newmark (1988) zu beziehen. Es handelt sich dabei um Newmarks Konzept der funktionellen Äquivalenz, nachdem Übersetzer*innen oft kulturelle Begriffe neutralisieren, um die Texte an die Zielkultur anzupassen. Newmark verwendet in diesem Zusammenhang auch die Begriffe der Generalisierung oder der Dekulturalisierung (engl. generalization und deculturalization).

Auch Venuti (1992) diskutiert zwei Übersetzungsstrategien, nach denen die Ausgangssprache entweder sichtbar oder unsichtbar gemacht wird und somit im letzteren Fall die Sprache der Übersetzung an die Normen der Zielsprache angepasst wird. Venuti zufolge herrscht die allgemeine Meinung vor, dass nur solche Übersetzungen gute Übersetzungen sind, bei denen die Leser*innen nicht wahrnehmen, dass es sich um Übersetzungen handelt. Um dies zu erreichen, normalisieren Übersetzer*innen verschiedene linguistische Aspekte ihrer Übersetzung: Ungewöhnliche syntaktische Strukturen werden durch geläufigere ersetzt und unidiomatische Wendungen werden korrigiert. Venuti kritisiert diese Einbürgerungsstrategie. Er ist der Ansicht, dass diese Strategie zur Unsichtbarkeit und damit zur Abwertung und zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Übersetzer*innen führt. Zudem würde diese Strategie verhindern, dass ein richtiger kultureller Austausch zwischen Leser*innen und Ausgangskultur in Gang gesetzt wird, den eine die Ausgangssprache widerspiegelnde Übersetzung auslösen könnte.

Normalisierung als Übersetzungsstrategie wurde auch auf empirischer Ebene untersucht, vor allem in der audiovisuellen Translation (Voice Over, Mazur & Chmiel 2016; Untertitelung, Ramos 2009) und in Literaturübersetzungen (Ramos 2009). Nach Schleiermacher (1813: 47):

Aber nun der eigentliche Uebersezer, der diese beiden ganz getrennten Personen,seinen Schriftsteller und seinen Leser, wirklich einander zuführen, und dem lezten, ohne ihn jedoch aus dem Kreise seiner Muttersprache heraus zu nöthigen, zu einem möglichst richtigen und vollständigen Verständniß und Genuß des ersten verhelfen will, was für Wege kann er hiezu einschlagen? Meines Erachtens giebt es deren nur zwei. Entweder der Uebersezer läßt den Schriftsteller möglichst in Ruhe, und bewegt den Leser ihm entgegen; oder er läßt den Leser möglichst in Ruhe und bewegt den Schriftsteller ihm entgegen.

Beispiel: Kulturelle Begriffe

Mazur & Chmiel (2016) untersuchten Normalisierung als Übersetzungsstrategie, indem sie die Verwendung kultureller Begriffe in einer Voice-Over-Übersetzung aus dem Englischen ins Polnische der amerikanischen Fernsehserie The West Wing analysierten. Die Serie spielt im Weißen Haus und enthält einige an die amerikanische Kultur gebundene Begriffe. Die Autoren dieser Studie untersuchten die Übersetzung dieser kulturellen Begriffe in einer Folge der Serie und klassifizierten die verwendeten und identifizierten Übersetzungsstrategien. Normalisierung definieren Mazur & Chmiel in diesem Kontext als das Ersetzen der kulturellen Begriffe durch neutrale oder kulturfreie Begriffe. Die Analyse zeigte, dass die meisten kulturellen Begriffe, die vor allem die amerikanische Verwaltung und das amerikanische Militär betrafen, entsprechend der Normalisierungsstrategie übersetzt wurden und somit durch kulturfreie Wörter ersetzt wurden. Tabelle 1 zeigt entsprechende Beispiele.

Ausgangssprache (Englisch)

Zielsprache (Polnisch)

Rückübersetzung ins Englische

What's your secret service code name?

Jaki jest Twój służbowy pseudonim?

What’s your professional code name?

He was high when he was running the Labor Department.

Brał, kiedy był ministrem?

He was high when he was a minister?

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 [título del epígrafe] Normalisierung als Frequenzeffekt

Der Begriff Normalisierung bezeichnet auch einen linguistischen Frequenzeffekt, der in Übersetzungskorpora beobachtet werden kann. Normalisierung bezeichnet hier nicht die Wahl einzelner Übersetzer*innen und somit eine Übersetzungsstrategie oder ein Phänomen, das in einzelnen Texten zu finden ist (siehe hierzu auch das Unterkapitel zu Normalisierung als Übersetzungsstrategie). In diesem Fall bezeichnet Normalisierung ein Phänomen, bei dem die Sprache in Übersetzungen im Allgemeinen stärker den Normen und Konventionen der Zielsprache entspricht als frei formulierte Originaltexte der Zielsprache. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff erstmals von Baker (1996) zur Bezeichnung einer ihrer sogenannten Übersetzungsuniversalien verwendet.

Baker (1993, 1995, 1996), inspiriert von Tourys (1980) Theorie der Translation und insbesondere von seiner Diskussion der Normen, geht davon aus, dass Übersetzungen als eine besondere Art von Text betrachtet werden sollten. Dies hebt sich von der allgemeinen Ansicht, die bis zum Zeitpunkt Bakers Publikationen herrschte, ab, da Übersetzungen bis dahin vor allem als das Ergebnis eines einzelnen Übersetzungsprozesses und nicht als gültiger Teil des zielsprachlichen Sprachsystems gesehen wurden. Übersetzungen sollten als Folge dessen zum Beispiel kein Teil von Korpora sein. Baker plädierte jedoch dafür, Übersetzungen als eigene Textart zu untersuchen und sie nicht nur in Zusammenhang mit dem Ausgangstext zu betrachten. Die in Übersetzungen verwendete Sprache sollte kontrastiv zu der in freiproduzierten Texten verwendeten Sprache untersucht werden, aber dennoch als valider Teil des zielsprachlichen Sprachsystems betrachtet werden. Zur Untersuchung der Unterschiede schlägt Baker die Verwendung von Vergleichskorpora vor, die sowohl frei produzierte Originaltexte einer Sprache als auch Übersetzungen in dieselbe Sprache enthalten sollten. Zur Zeit Bakers Publikationen war dies ein neuer und innovativer Ansatz, da damals vor allem präskriptive Untersuchungen und Fallstudien zu nur einzelnen Übersetzungen in der Translationswissenschaft vorherrschten.

Baker zufolge sollten in Vergleichskorpora bestimmte Unterschiede zwischen frei produzierten Texten und Übersetzungen beobachtbar sein. Diese Unterschiede sollten unabhängig der Ausgangs- und Zielsprache auftreten und somit universell bei allen Vergleichen von Übersetzungen und Originaltexten auftreten (Übersetzungsuniversalien). Baker nannte folgende Kategorien, zu denen auch das Phänomen der Normalisierung (engl. Normalization) zählt (Baker 1996: 183):

  • Explicitation: Übersetzungen sind in der Regel eindeutiger als Originaltexte. Sie sind weniger implizit. Baker zufolge kann dies im Englischen an der häufigeren Verwendung des optionalen Wortes that in Übersetzungen beobachtet werden. Durch die Verwendung dieses Wortes können Texte expliziter werden.
  • Simplification: Übersetzungen sind einfacher als frei formulierte Texte. Dies zeigt sich nach Baker zum Beispiel an kürzeren Sätzen in Übersetzungen als in Originaltexten.
  • Leveling Out: Übersetzungen weisen weniger linguistische Variation auf als frei formulierte Texte. Baker nennt eine geringe lexikalische Dichte sowie einen niedrigen Type-Token-Ratio als Anhaltspunkt für dieses Übersetzungsuniversalium.
  • Normalization/Conservatism: Übersetzungen weisen eine sehr hohe Anzahl an für die Zielsprache typischen Merkmalenauf. Diese Anzahl ist dabei sogar höher als bei frei produzierten Texten. Beobachtet werden kann dies laut Baker an einer sehr konventionskonformen Zeichensetzung in Korpora.

Bakers Übersetzungsuniversalium der Normalisierung ähnelt, auch wenn sie selbst diese Verbindung nicht herstellt, Tourys (1995) Law of Growing Standardization (siehe hierzu auch Pym 2008; Bernadini & Ferraresi 2011). Toury formuliert zwei Gesetze, um den Vorgang des Übersetzens zu beschreiben, das Law of Growing Standardization (Gesetz der zunehmenden Standardisierung) und das Law of Interference (Gesetz der Interferenz). Das Law of Growing Standardization besagt, dass ausgangssprachliche Textmerkmale verändert und an die zielsprachlichen Konventionen (optional) und Regeln (verbindlich) angepasst werden. Dieses Gesetz ähnelt somit sehr Bakers Konzept der Normalisierung. Nach Tourys Law of Interference gibt es aber gleichzeitig auch Fälle, in denen ausgangssprachliche Strukturen und Elemente in den Zieltext übernommen werden. Dieses Gesetz hat kein Pendant unter Bakers Übersetzungsuniversalien (siehe hierzu aber Teichs (2003) Vorschlag eines weiteren Übersetzungsuniversaliums, dem Shining-Through, das einen Frequenzeffekt hervorgerufen durch Interferenz des Ausgangstexts beschreibt).

Im Gegensatz zu Toury geht Baker davon aus, dass die Übersetzungsuniversalien nicht durch die Interferenz der Zielsprache beeinflusst werden. Diese Annahme wird von vielen Translationswissenschaftler*innen kritisiert (e.g., Pym 2008; Delaere & De Sutter 2013; Vandevoorde 2020). Dabei widerspricht sich Baker (1996) teilweise selbst, da sie zum Beispiel davon ausgeht, dass die Normalisierung von dem Prestige der Ausgangssprache in der zielsprachlichen Kultur abhängt. Dies ist somit bereits ein Argument für den Einfluss der Ausgangssprache und somit gegen die Annahme, dass Übersetzungsversalien in allen Übersetzungen zum gleichen Grad zu finden sind.

Empirische Untersuchungen stützen die These, dass verschiedene Faktoren tatsächlich einen Einfluss auf die Stärke der Normalisierung haben und Normalisierung nicht in allen Übersetzungen präsent ist. Zu diesen Faktoren zählt zum Beispiel das untersuchte Sprachenpaar (Delaere & de Sutter 2013; Capelle & Loock 2017), das Prestige der Ausgangssprache in der zielsprachlichen Kultur (Vintar & Hansen-Schirra 2005) und das Sprachregister (e.g. Verwaltungstexte im Gegensatz zu Zeitungsartikeln, Delaere & de Sutter 2013).

Da die Ausgangssprache einen Einfluss auf die Stärke der Normalisierung zu haben scheint, wurden verschiedene Studien durchgeführt, um das Kontinuum zwischen Normalisierung und Shining-Through, wie es von Toury vorgeschlagen wurde, zu untersuchen (Teich 2003; Vintar & Hansen-Schirra 2005; Bernardini & Ferraresi 2011). Auch wenn sich die ursprüngliche Bedeutung von Normalisierung, wie sie von Baker geprägt wurde, gewandelt hat und nun mehr in einem Kontinuum zwischen Interferenz und Standardisierung gesehen werden sollte denn als Übersetzungsuniversalium, wird der von ihr eingeführte Begriff nach wie vor bevorzugt verwendet.

Die Erkenntnisse dazu, dass die Stärke von Normalisierung von verschiedenen Faktoren abhängt, hat auch dazu geführt, dass auf einer theoretischen Ebene eine kritische Diskussion zum Konzept der Übersetzungsuniversalien angestoßen wurde (Mauranen & Kujamäki 2004): Es besteht keine Einigkeit darüber, ob es überhaupt bestimmte Texteigenschaften gibt, die in allen Übersetzungen und nur in Übersetzungen zu finden sind. Im Folgenden wird daher statt von Übersetzungsuniversalien von Frequenzeffekten gesprochen, wenn auf Normalisierung als ein quantitatives, in Vergleichskorpora zu beobachtendes Phänomen, das nicht auf einzelne Übersetzer*innen zurückgeführt wird, verwiesen wird.

Nach Baker (1996: 183):

’Normalisation’ (or ‘conservatism’) is a tendency to exaggerate features of the target language and to conform to its typical patterns. This tendency is quite possibly influenced by the status of the source text and the source language, so that the higher the status of the source text and language, the less the tendency to normalise.

Die Norm definieren

Wenn man feststellen möchte, ob Übersetzungen Normalisierung aufweisen und ob die Normen der Zielsprache in übertriebenem Maße umgesetzt werden, müssen zunächst die Normen der Zielsprache definiert werden. Teich (2003) widmet sich diesem Problem. Angesichts der Tatsache, dass auch die Ausgangssprache einen Einfluss auf die beobachtbaren Frequenzeffekte in Übersetzungen haben kann, plädiert Teich dafür, dass man zunächst die kontrastiven Unterschiede zwischen Ausgangs- und Zielsprache identifizieren muss, um die normgerechte Verwendung von Sprache in der Zielsprache zu definieren. Dabei muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass Sprachen immer auch eine gewisse Varianz aufweisen, die unter anderem vom verwendeten Register und Fachgebiet abhängt. Sprachliches Register und Fachgebiet müssen aus diesem Grund sowohl bei der Definition der Normen als auch bei der Erstellung von Korpora zur Untersuchung von Frequenzeffekten berücksichtigt werden (siehe auch Bernardini & Ferraresi 2011).

Erklärungen für Normalisierung

Verschiedene Theorien wurden über die Ursachen von Frequenzeffekten in Übersetzungen aufgestellt. In Bezug auf die Ursprünge der Normalisierung existieren drei Hauptthesen: den Einfluss der Übersetzerausbildung (Chesterman 2010), Risikovermeidungsstrategien von Übersetzern (Pym 2008; Delaere & De Sutter 2013) und beim Übersetzen stattfindende kognitive Prozesse (Halverson 2003, 2010, 2017; Hansen-Schirra 2017; Oster 2017).

Chesterman (2010) geht davon aus, dass eine mögliche Ursache für Frequenzeffekte die Übersetzerausbildung ist. Übersetzungsstudierende werden dazu ausgebildet, eine gelingende Kommunikation zwischen den Verfasser*innen der Ausgangstexte und den Leser*innen der Zieltexte herzustellen. Ihnen wird dabei auch beigebracht, auf kulturelle Unterschiede zu achten und welche sprachlichen Normen in der Zielkultur vorherrschen. Normalisierung könnte sich daher so erklären lassen, dass Übersetzungsstudierende dazu ausgebildet werden, sich stark an den zielsprachlichen Normen zu orientieren. Die angefertigten Übersetzungen würden diese Tendenz dann widerspiegeln und Übersetzungen entsprächen stärker den zielsprachlichen Normen als frei produzierte Texte.

Pym (2008; siehe auch Delaere & De Sutter 2013) zufolge könnten Risikovermeidungsstrategien zu Normalisierung führen. Übersetzer*innen müssen immer ein gewisses Risiko eingehen, wenn sie eine Übersetzung anfertigen, da es immer mehrere Möglichkeiten zur Übersetzung gibt, zwischen denen gewählt werden muss. All diese Optionen könnten korrekt sein, Übersetzer*innen fehlt aber oft die Zeit, alle Möglichkeiten zu recherchieren und zu überprüfen. Wenn sich Übersetzer*innen also für eine Lösung entscheiden, werden sie vermutlich die mit dem geringsten Risiko wählen. Diese wird wahrscheinlich die ‘normalste’ Formulierung sein. Durch die Wahl der ‘normalsten’ und natürlichsten Möglichkeit, halten sich Übersetzer*innen somit stark an die zielsprachlichen Normen. Die Übersetzungen sind damit näher an zielsprachlichen Normen und Konventionen als freiproduzierte Texte. Pym geht davon aus, dass es verschiedene Grade der Risikovermeidung gibt. Dies hinge unter anderem von dem Prestige der Ausgangskultur ab. Je nachdem wie hoch dieses sei, könnten Übersetzer*innen stärker versuchen, Risiken zu vermeiden. Auch die Schwierigkeit des Texts könnte eine Rolle spielen. Je schwieriger der Text zu verstehen ist, desto mehr könnten Übersetzer*innen versuchen, das Risiko gering zu halten und sich stärker an den Normen der Zielkultur orientieren. Dadurch könnte also eine stärkere Normalisierung entstehen.

Verschiedene Theorien gehen davon aus, dass kognitive Prozesse während des Übersetzens zu Frequenzeffekten und somit auch zu Normalisierung führen. Zu diesen Theorien zählt die Gravitational Pull Hypothesis von Halverson (2003, 2010, 2017). Nach dieser These sind die mentalen Repräsentationen linguistischer Elemente von Übersetzer*innen für Frequenzeffekte in Übersetzungen verantwortlich. Dabei kann man drei Kategorien von relevanten Strukturen unterscheiden: die Stärke der Repräsentationen der Ausgangssprache (Gravitational Pull), die Stärke der zielsprachlichen Repräsentationen (Magnetism), und die Stärke der Verbindungen zwischen den Elementen der betroffenen Sprachen (Connectivity). Halverson geht davon aus, dass im Falle der Normalisierung die Repräsentationen der Zielsprache die größte Rolle spielen. Prototypische Repräsentationen der Zielsprache üben eine starke Anziehungskraft aus (Magnetism) und sie werden daher bevorzugt für Übersetzungen verwendet. Dies führt dazu, dass sie sehr frequent in Übersetzungen sind und man ein Normalisierungsphänomen beobachten kann.

Hansen-Schirra (2017) und Oster (2017) gehen davon aus, dass Priming-Effekte und mentale Kontrollprozesse zu Shining-Through und Normalisierung in Übersetzungen führen. Die ausgangsprachlichen linguistischen Strukturen primen danach die Übersetzer*innen während der Rezeption des Ausgangstexts. Die formal entsprechenden linguistischen Strukturen werden dadurch und auf Grund interlingualer mentaler Verbindungen automatisch stark in der Zielsprache voraktiviert. Diese voraktivierten zielsprachlichen Strukturen werden dann bevorzugt produziert, wenn dies nicht durch eine mentale Kontrolle unterbunden wird. Durch mentale Kontrollprozesse können Strukturen, die den ausgangssprachlichen Strukturen zu ähnlich sind, herausgefiltert werden. In dieser Theorie kann wie bei Pym (2008) der Grad der mentalen Kontrolle zum Beispiel durch das Prestige der Ausgangssprache und damit die Notwendigkeit, Interferenzen zu vermeiden, beeinflusst werden. Hansen-Schirra und Oster gehen jedoch im Gegensatz zu Pym davon aus, dass Shining-Through (oder Interferenz) die Norm ist und Normalisierung nur durch mentale Kontrollprozesse erzielt werden kann.

Beispiel: Anglizismen im Italienischen

Bernardini & Ferraresi (2011) führten eine Studie zur Verwendung von Anglizismen in frei produzierten und übersetzten italienischen Texten aus dem Bereich der Informatik durch. Sie gingen davon aus, dass eine höhere Anzahl an Anglizismen in Übersetzungen als in frei produzierten Texten als Interferenz zu interpretieren sei und eine geringere Anzahl als Normalisierung. Für die Untersuchung erstellten die Autoren ein Korpus bestehend aus Informatiktexten. Bernardini & Ferraresi wählten dafür Software-Dokumentationstexte (sogenannte Perl Pods, kurze Anleitungen zur Lösung von Programmierproblemen, die zur Programmiersprache Pearl gehören). Durch die eingeschränkte Textauswahl konnten Bernardini & Ferraresi ein sehr kontrolliertes Korpus erstellen. Das Korpus bestand aus den englischen originalen Pods, italienischen Übersetzungen aus dem freiwilligen Übersetzungsprojekt pod2it, sowie aus einem Referenzkorpus mit italienischen Vergleichstexten, die keine Übersetzungen darstellten.

Die Analyse der Anglizismenverwendung in dem Korpus ergab, dass Anglizismen in frei produzierten Texten frequenter waren als in Übersetzungen. Bernardini & Ferraresi schlussfolgerten daher, dass hier eine Normalisierung vorliegt. In diesem Zusammenhang muss jedoch betont werden, dass die hier untersuchten Übersetzungen in einem Freiwilligenprojekt entstanden sind, an dem nicht unbedingt ausgebildete Übersetzer*innen beteiligt waren. In diesem Fall kann der Normalisierungseffekt also nicht unbedingt durch einen Einfluss der Übersetzerausbildung erklärt werden. Die Ergebnisse können daher eventuell nicht auf andere englisch-italienische Informatikübersetzungen übertragen werden. Es könnte sein, dass dieses Ergebnis nur bei Übersetzungen, die von Laien angefertigt wurden, zu finden ist.

Beispiel: Kognate im Deutschen und im Slowenischen

Vintar & Hansen-Schirra (2005) untersuchen die Anzahl von Kognaten (Übersetzungsäquivalente mit einer ähnlichen Form, wie z. B. system im Englischen und System im Deutschen) in slowenischen und deutschen Übersetzungen im Vergleich zu deren Anzahl in frei produzierten Texten in den jeweiligen Sprachen. Das Ziel dieser Studie bestand darin zu untersuchen, ob (a) ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Übersetzungen und Originaltexten beobachtet werden kann und somit eine Normalisierung oder ein Shining-Through-Effekt vorliegt und ob (b) beide Sprachen ähnliche Muster aufweisen oder sich in Bezug auf die Anzahl an Kognaten unterscheiden. Vintar & Hansen-Schirra erstellten ein Parallelkorpus, das deutsche und slowenische Übersetzungen populärwissenschaftlicher Texte enthielt. Zum Vergleich mit freiproduzierten Texten wurden monolinguale Referenzkorpora verwendet (COSMAS für das Deutsche und FIDA für das Slowenische). Die Analyse der Korpora ergab, dass slowenische Übersetzungen etwas weniger Kognate enthielten als frei produzierte slowenische Texte (was Normalisierung entspricht). Die deutschen Übersetzungen enthielten mehr Kognate als die frei produzierten deutschen Texte (dies entspricht Shining-Through). Daraus kann man schlussfolgern, dass die Zielsprache einen Einfluss darauf hat, ob Normalisierung oder Shining-Through vorliegt.

Beispiel: Partikelverben im Englischen

Partikelverben sind sehr typisch für die englische Sprache (e.g., cool down, throw up, run away). Capelle & Loock (2017) untersuchten mit Hilfe eines Belletristik-Korpus, ob die Ausgangssprache von Übersetzungen einen Einfluss auf die Anzahl der verwendeten Partikelverben in Übersetzungen ins Englische verglichen mit frei produzierten englischen Texten hat. Da Partikelverben ein typisches Merkmal des Englischen sind, könnte eine übertriebene Verwendung als Normalisierung interpretiert werden.

Die Autoren der Studie verglichen Übersetzungen aus romanischen und germanischen Sprachen ins Englische. Ihre Hypothese war, dass die Ausgangssprache einen Einfluss auf die Anzahl der Partikelverben im Englischen haben sollte, wenn das Shining-Through-Phänomen dominieren sollte: Da auch das Englische zu den germanischen Sprachen zu zählen ist, weist es auch mehr strukturelle Ähnlichkeiten mit anderen germanischen Sprachen als mit romanischen Sprachen auf. Auch in anderen germanischen Sprachen werden viele Partikel verwendet, in romanischen Sprachen sind solche Strukturen seltener. Übersetzungen aus germanischen Sprachen sollten somit mehr Partikelverben enthalten als Übersetzungen aus romanischen Sprachen. Dies könnte dann als Shining-Through-Effekt interpretiert werden. Zur Untersuchung dieser Annahmen analysierten Capelle & Loock die Anzahl der Partikelverben in germanischen und romanischen Übersetzungen ins Englische im Translational English Corpus (TEC) im Vergleich zu der Anzahl in frei produzierten englischen Texten im British National Corpus (BNC). Die Analyse ergab, dass Übersetzungen aus romanischen Sprachen weniger Partikelverben enthielten als Übersetzungen aus germanischen Sprachen und frei produzierte englische Texte. Die Autoren schlussfolgerten daher, dass in diesen Texten Shining-Through vorherrscht und man daher nicht davon ausgehen kann, dass Normalisierung ein Übersetzungsuniversalium ist, das a) in allen Übersetzungen zu finden ist und b) unabhängig von der Ausgangssprache ist.

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 potencial para la investigación Forschungspotenzial

Der Begriff Normalisierung wird in ganz unterschiedlichen Bereichen der Übersetzungswissenschaft gebraucht. Jede dieser Forschungsrichtungen, die in diesem Beitrag beschrieben werden, bietet interessante Forschungsfragen und -perspektiven. Meist wird als Normalisierung jedoch ein in Übersetzungskorpora beobachtbarer Frequenzeffekt bezeichnet. Vor allem in diesem Forschungsbereich gibt es noch zahlreiche Forschungslücken, die gefüllt werden müssen. Dazu zählen die Fragen, wie universell diese Frequenzeffekte (und damit auch Normalisierung) wirklich sind, welche Faktoren sie beeinflussen und schließlich welche kognitiven Ursachen diesen Phänomenen zu Grunde liegen. 

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