Navigation überspringen

Überblick

home page help (reference guide) search download (pdf) print broken link

 

 

citation ENG Pseudotranslation SPA Pseudotraducción 

summary  Ursprung

Der Begriff „Pseudoübersetzung“ ist eine Lehnübersetzung des englischen Terminus „pseudotranslation“, der von dem griechischen Wort ψευδής (= falsch) abstammt und üblicherweise „texts which have been presented as translations with no corresponding source texts in other languages ever having existed“ (Toury 1995: 40) bezeichnet. Die erste Nutzung des englischen Begriffes wird meist einer Rezension in der Londoner Literary Gazette im frühen neunzehnten Jahrhundert zugeschrieben.

 summary  andere Bezeichnungen

Andere Bezeichnungen für Texte oder Teile von Texten, die vorgeben Übersetzungen zu sein, sind „fiktive Übersetzung“, und im englischen Sprachbereich auch „assumed translation“ [angenommene Übersetzung] oder „original translation“ [originale Übersetzung]. Im vorliegenden Eintrag wird der Begriff „Pseudoübersetzung“ benutzt, da er sich auch auf Texte oder Textpraktiken bezieht, die nicht explizit als Übersetzung präsentiert sind.

 summary  Zusammenfassung

„Pseudoübersetzung“ bezeichnet die absichtliche Darbietung eines Texts oder Textabschnitts als Übersetzung, obwohl kein Original in einer anderen Sprache existiert. Während der Begriff erstmals im neunzehnten Jahrundert benutzt wurde (Rambelli 2011: 209), hat die Praktik selbst eine lange Geschichte – einige der prominentesten Beispiele sind Cervantes’ Don Quixote (1605/15), Montesquieus Persische Briefe (1721) und Macphersons Ossian-Gedichte (1761/63). Mögliche Motivationen für eine solche Fehletikettierung von Texten als Übersetzungen sind die Täuschung der Zensur, die Etablierung neuer Genres im literarischen Kanon, die Einführung unkonventioneller Themen, Stilelemente oder Techniken sowie der Gebrauch des Übersetzungslabels als Marketingstrategie, die den Ruf des angeblichen Originalautors oder die herausragende Stellung übersetzter Literatur innerhalb der ‚Zielkultur‘ ausnutzt und dem Text dieselbe Gravitas verleiht wie es das angebliche Original besitzt.

Als Teil der Handlung, als grundlegendes formales Element eines vollständigen literarischen Werkes oder auch als kreative Strategie, die innerhalb eines Texte einen anderssprachigen Text evoziert, kann Pseudoübersetzung zu einem metafiktionalen Diskurs beitragen, der die Grenzlinien zwischen Fakt und Fiktion aufweicht oder das Konzept von Originalität selbst in Frage stellt.

Ein umfassenderes Verständnis von Übersetzungsforschung hat auch ein wachsendes Interesse an Pseudoübersetzung mit sich gebracht. Einschlägige Studien befassen sich mit einer Vielzahl von Aspekten, wie zum Beispiel mit Fallbeispielen aus bestimmten literarischen Epochen, Nationalliteraturen oder Genres, oder auch mit den Überschneidungen zwischen Pseudoübersetzung und verwandten Phänomenen wie etwa kultureller Übersetzung oder Transfiktion, also literarischen Texten, in denen Übersetzung bzw. Übersetzer zu Form, Handlung oder Figurencharakterisierung beitragen. Andere Studien widmen sich linguistischen oder paratextuellen Merkmalen, die darauf ausgerichtet sind, den Eindruck einer authentischen Übersetzerstimme hervorzurufen.

In einem ganz anderen Bedeutungsbereich wird mit dem Begriff „Pseudoübersetzung“ eine Lokalisierungstechnik in der Software-Entwicklung bezeichnet.

 

data sheet   record

author Sabine Strümper-Krobb
publication date 2026
reference (how to cite) Strümper-Krobb, Sabine. 2026. "Pseudoübersetzung" @ ENTI (Encyclopaedia of Translation & Interpreting). AIETI.
DOI https://doi.org/PENDING
URL stable https://www.aieti.eu/enti/pseudotranslation_ENG

 

Creado con eXeLearning (Ventana nueva)